WM 2022: Traumtor von Richarlison – Brasilien mit Topstart gegen Serbien

Stand: 24.11.2022 22:44 Uhr

Titelkandidat Brasilien hat die erste Feuerprobe der WM gegen Serbien erfolgreich bestanden. Doppelpacker Richarlison war beim 2:0 (0:0)-Sieg der Held des Abends – und beeindruckte vor allem mit seinem zweiten Treffer.

In den ersten 20 Minuten bekam das brasilianische Team einen Eindruck davon, wie schwierig die Aufgabe gegen Serbien werden wird. Den Selecao-Stars wurde kein Raum gegeben, um ihre technischen Stärken auszuspielen, das intensive Spiel wurde immer wieder durch Fouls unterbrochen und vor den Toren passierte bis dahin gar nichts (beide Mannschaften ohne Schussversuch).

Casemiro brachte als erster Spieler den Ball auf das serbische Tor. Sein Distanzschuss bereitete Torhüterin Vanja Milinkovic-Savic keine großen Probleme (21.). Seine Klasse musste er in der 27. Minute unter Beweis stellen, als Vinicius Junior mit einem Steilpass in Führung gebracht wurde, als es dem heranstürmenden Torhüter der Turiner gelang, den Ball in letzter Minute wegzuspähen.

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Vorne mit Problemen, hinten ohne Probleme

Gegen das serbische Bollwerk fand Brasilien nun mehr Mittel, vor allem bekam es etwas mehr Tempo ins eigene, bis dahin eher schleppende Spiel. Doch in der letzten Reihe konnte die starke serbische Dreierkette um Milos Veljkovic (SV Werder Bremen) immer wieder die Angriffe des Titelfavoriten abwehren. Und beim Kombinieren der Brasilianer fehlte die Präzision, wie bei Raphinhas Schuss direkt auf Milinkovic-Savic (35.).

So ausbaufähig die Offensivleistung der Selecao war, so lobenswert ist die Defensive. Die gegnerischen Angriffe wurden meist früh durch den aggressiven Druck unterbrochen, in der letzten Reihe überzeugten die Routiniers Marquinhos und Thiago Silva, der mit 38 Jahren der mittlerweile älteste Brasilianer in der Geschichte des WM-Turniers ist, mit starkem Stellungsspiel.

Erst rettet der Torwart, dann der Pfosten

Das zeigte auch Milinkovic-Savic, als die zweite Halbzeit erst wenige Sekunden alt war. Nach einem haarlosen Ballverlust von Nemanja Gudelj tauchte Raphinha frei vor dem serbischen Schlussmann auf, der auch Brasiliens bisher bestes Tor abwehren konnte (46.). Bei der ersten echten Chance von Neymar musste Milinkovic-Savic jedoch nicht eingreifen – der Selecao-Superstar verfehlte eine Hereingabe von Vinicius Junior deutlich (55.).

In der 60. Minute wurde der serbische Schlussmann zum ersten Mal geschlagen. Ein fulminanter Linksschuss von Außenverteidiger Alex Sandro traf nur den Pfosten – Milinkovic-Savic wäre machtlos gewesen (60.). Es war die größte Chance eines einseitigen Spiels und ein Beweis dafür, dass Brasilien trotz seiner Überlegenheit nun auch Gefahr entwickelt.

Richarlison erfüllt die Aufgabe eines Mittelstürmers

Zu diesem Zeitpunkt waren die Zahlen eindeutig: 58 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 14:1 Torschüsse – nur das Erfolgserlebnis fehlte. Es kam jedoch beim 16. Versuch. Vinicius Junior zwang Milinkovic-Savic zu einem weiteren Kunststück, doch Mittelstürmer Richarlison schoss den Ball aus vier Metern ins leere Tor – der überfällige 1:0-Erfolg für Brasilien (63.). Es war nur das 20. Wicket des 25-Jährigen, kein Feldspieler hatte weniger.

Erst dann wurde es im brasilianischen Strafraum turbulent. Nach einem Eckball wurde der Spielmacher mehrfach gefährlich vor das Tor gebracht, doch Marquinhos konnte zweimal knapp vor der Linie klären (70.).

72 Minuten lang dominierte Brasilien, spielte ruhig, zeigte Klasse ohne Blitz – und zeigte dann die große Kunst des Fußballs. Vinicius Junior flankte mit seinem Außenschritt, Richarlison stoppte den Ball in der Luft mit seinem linken Fuß, drehte sich für einen Onside-Kick direkt in die Luft und schmetterte den Ball mit seinem rechten ins Netz. Das bisher schönste WM-Tor, der zweite Treffer für Richarlison, der Vorentscheid für Brasilien.

Coach Tite will den Titel verabschieden

Nach überzeugenden Auftritten von England (6:2 gegen Iran), Frankreich (4:1 gegen Australien) und Spanien (7:0 gegen Costa Rica) zeigte der Tabellenvierte Brasilien, warum er einer der größten Anwärter auf den WM-Titel ist das zählt. . 20 Jahre nach den Turniersiegen in Japan und Südkorea soll es in Katar endlich klappen – auch für Trainer Tite. Nach sechseinhalb Jahren geht der 61-Jährige nach dem WM-Turnier in den Ruhestand. Die Amtszeit soll mit dem sechsten Titel des Rekordweltmeisters enden.

Und auf dem Weg dorthin will Brasilien natürlich etwas bieten. Fast hätte Casemiro das zweite Traumtor des Abends erzielt. Sein Schuss aus 22 Metern ging jedoch einige Zentimeter zu hoch und traf die Latte (81.). Wenig später musste Milinkovic-Savic einen Distanzschuss von Antony parieren (83.).

Es war das letzte Mal, dass er eingreifen musste. Abgesehen von den kleinen Ungenauigkeiten im brasilianischen Tor war der Torhüter der einzige Grund, warum der Favorit keinen vernichtenden Sieg, sondern „nur“ ein 2:0 errang. Neben der Chancenauswertung gab es noch einen weiteren Wermutstropfen.

Neymar ersetzt verletzt

Neymar musste verletzt ausgewechselt werden und kam mit einem stark geschwollenen Knöchel in die Umkleidekabine. „Wir haben sofort mit der Behandlung begonnen und mit Physiotherapie auf der Bank begonnen. Wir müssen 24 bis 48 Stunden warten, um eine genauere Diagnose stellen zu können“, sagte der brasilianische Mannschaftsarzt Rodrigo Lasmar nach dem Spiel.

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